GE-RM Enns

Die Enns: Renaturierung und Hochwasserschutz

Das im GE-RM untersuchte Projektgebiet umfasst die gesamte Fließstrecke der Enns innerhalb der Steiermark von  Mandling an der Landesgrenze zu Salzburg bis Altenmarkt bei St. Gallen an der  Landesgrenze zu Oberösterreich. Der rund 130 Kilometer lange Flussabschnitt  ist von einer großen Vielfalt geprägt. Während Abschnitte im Gesäuse nahezu naturbelassen sind, hat der Mensch  den Verlauf der Enns und insbesondere das Ennstal in vielen Bereichen massiv verändert. Auch die Einflüsse der Kraftwerke sind in vielen Flussabschnitten deutlich sichtbar.

GE-RM Enns

Die Enns: Renaturierung und Hochwasser­schutz

Das im GE-RM untersuchte Projektgebiet umfasst die gesamte Fließstrecke der Enns innerhalb der Steiermark von  Mandling an der Landesgrenze zu Salzburg bis Altenmarkt bei St. Gallen an der  Landesgrenze zu Oberösterreich. Der rund 130 Kilometer lange Flussabschnitt  ist von einer großen Vielfalt geprägt. Während Abschnitte im Gesäuse nahezu naturbelassen sind, hat der Mensch  den Verlauf der Enns und insbesondere das Ennstal in vielen Bereichen massiv verändert. Auch die Einflüsse der Kraftwerke sind in vielen Flussabschnitten deutlich sichtbar.

Überblick Hochwasser­risiko und gewässer­ökologischer Zustand

Im Anschluss an die Vorstudie wurden die Bestandsaufnahmen dazu genutzt, Wissenslücken bezüglich Hochwasserrisiko und Gewässerökologie zu schließen und sektorale Defizite zu identifizieren. Nach einem Abgleich mit den bestehenden Zielsetzungen wurde darauf aufbauend ein Maßnahmenkonzept erstellt.

Die Grafik liefert eine Zusammenfassung der Defizite an der Enns in der Steiermark. Schon die schematische Darstellung zeigt, wie unterschiedlich die Ausgangslage in den verschiedenen Abschnitten der Enns ist.

Detail­berichte zum Download

Alle Details zu den Bestandsaufnahmen können in den detaillierten Berichten nachgelesen werden. An der Enns in der Steiermark wurden zudem sehr umfangreiche Kartenwerke angefertigt, die ebenfalls für den Download zur Verfügung stehen.

Abschnitt Mandling bis Sölkmündung

 

Defizite

 

Gewässermorphologie & Hochwasserrisiko

Ursprünglich hatte die Enns in diesem Abschnitt  einen pendelnden Flusslauf, der jedoch über große Strecken durch menschliche Eingriffe festgelegt bzw. begradigt wurde (siehe Foto der regulierten Enns im Ortsgebiet von Schladming). Dadurch wurden Gefälle und Fließgeschwindigkeit erhöht. Trotz Regulierung ist in Teilbereichen kein ausreichender Hochwasserschutz gegeben. Insbesondere in der Stadtgemeinde Schladming ist das Hochwasserrisiko nach wie vor hoch. Auch die Ortschaften Tunzendorf, Pruggern und Stein an der Enns sind durch Überflutungen gefährdet.

Abflüsse und Hydrologie

Das Abflussverhalten der Enns ist ab dem Kraftwerk Mandling stark vom Kraftwerksbetrieb geprägt. Der Kraftwerksbetrieb führt innerhalb weniger Stunden zu starken Schwankungen  im Abfluss. In Kombination mit einer Vielzahl von genehmigten Wasserentnahmen kann es dadurch insbesondere in den Wintermonaten zu extrem geringen Abflussmengen kommen. Dies führt häufig zu  ökologischen Problemen.

Chancen

 

Überraschend hoher Fischbestand

Obwohl dieser Abschnitt stark durch den Menschen beeinflusst ist und nur wenige sogenannte Schlüsselhabitate wie Unterschlüpfe und Laich- oder Jungfischlebensräume vorhanden sind, ist der Fischbestand in Teilbereichen überraschend gut. Das liegt unter anderem an den bereits umgesetzten Maßnahmen zur Revitalisierung. An der Salzburger Siedlung beispielsweise wurde der Flusslauf der Enns aufgeweitet  und renaturiert (siehe Foto). Dadurch wurden  wichtige Habitate geschaffen. Maßnahmen, welche  die Schwallbelastung, also den Einfluss der Kraftwerke auf den Abfluss der Enns, reduzieren und weitere Schlüsselhabitate schaffen, können den  Fischbestand weiter stärken. Das wirkt sich auch positiv auf  Abschnitte mit niedrigem Fischbestand aus.

Abschnitt Sölkmündung bis Gesäuse­eingang

 

Defizite

 

Regulierungsstrecke & Kraftwerksnutzung

Die Enns hatte  in diesem Abschnitt historisch einen mäandrierenden Flusslauf , der jedoch im Rahmen der Enns-Regulierung fast vollständig  begradigt wurde. Zurück blieb  ein vergleichsweise monotoner Fluss. Eine weitere Herausforderung stellen auch hier  die hohen Schwankungen des Abflusses durch den Kraftwerksbetrieb der Kraftwerke Sölk und Salza dar. Aus hydrologischer Sicht ergibt sich dadurch eine höchst unnatürliche Situation.

Fischbestand

In diesem Abschnitt der Enns  wurden vier Strecken befischt. Dabei wurde  an zwei Strecken ein unbefriedigender, und an zwei Strecken ein schlechter fischökologischer Zustand festgestellt.   Die schlechte Bewertung liegt allerdings nicht nur an der allgemein geringen Anzahl von Fischen , sondern auch an dem   ungünstigen Altersaufbau  der Population, dem  Artenspektrum und  dem Fehlen von Leitarten.

Chancen

 

Vielfältige Iris-Wiesen

Iriswiesen sind charakteristisch für das Steirische Ennstal. Die mäßig feuchten, nährstoffarmen Flächen sind jedoch durch landwirtschaftliche Nutzung sowie Schaffung von Siedlungsraum und Verkehrswegen seit Jahrhunderten gefährdet. Durch die Regulierung der Enns ist die Verbindung zwischen Fluss und Umland eingeschränkt und der natürliche Wasserhaushalt gestört. Renaturierungsmaßnahmen entlang der Enns könnten den Wasserhaushalt wieder ins Gleichgewicht bringen und so sicherstellen, dass auch in Zukunft jedes Jahr im Mai Millionen von Irisblüten erblühen.

LIFE+ Enns – Grundstein für positive Entwicklungen

Im Zuge des LIFE+ Projektes Enns wurden einzelne noch bestehende Altarme der Enns reaktiviert und wieder angebunden. Außerdem wurde durch Holzbuhnen und kleinere Aufweitungen versucht, eine hohe Strukturvariabilität mit unterschiedlichen Lebensräumen zu schaffen. Die renaturierten Bereiche (z.B. flussaufwärts der Salzamündung, siehe Foto) erfüllen zwar in erster Linie eine ökologische Funktion, erfreuen sich aber auch als Naherholungsräume großer Beliebtheit. Um bestehende Defizite dauerhaft auszugleichen, müssen solche Maßnahmen  fortgesetzt und ausgeweitet werden.

Abschnitt Gesäuse

 

Defizite

 

Fischbestand

Der Flussabschnitt im Gesäuse weist die größte Vielfalt von Lebensräumen in der steirischen Enns auf.  Daher überrascht es umso mehr, dass der Fischbestand in diesem Abschnitt  äußerst gering ist. Dafür sind mehrere Faktoren verantwortlich: Mitte der 1990er Jahre sorgte ein Einfall von Kormoranen (siehe Foto) – einem Fressfeind der meisten Fischarten –  für den Einbruch des Fischbestands. Seither hat sich der Bestand nicht mehr erholen können. Das liegt vor allem am Einfluss des Menschen und  den spürbaren Auswirkungen der Kraftwerke Sölk und Salza.  Hinzu kommt, dass viele Rückzugsorte in den Zubringerflüssen durch Verbauungen nicht erreichbar sind und Fische nur erschwert in diesen Abschnitt der Enns zuwandern können.

Chancen

Nationalpark & Sanfter Tourismus

Der Nationalpark Gesäuse existiert mittlerweile seit 20 Jahren und schützt  einen  wertvollen Landschafts- und Lebensraum. Im Gesäuse kommen viele verschiedene , teilweise gefährdete Arten vor. Viele dieser Arten  sind von einem gesunden Fluss abhängig. Die Wasseramsel beispielsweise ist auf klare, strömungs- und sauerstoffreiche Fließgewässer angewiesen (siehe Foto). Der Nationalpark schützt jedoch nicht nur wichtige Ökosysteme, sondern macht diese auch auf naturverträgliche Art und Weise erlebbar. Das  zieht Besucher*innen an und bringt auch wirtschaftliche Chancen für die Region mit sich.

Abschnitt Kraftwerks­strecke Gstatterboden bis Landesgrenze

 

Defizite

 

Wanderhindernisse 

Die Durchgängigkeit für Fische und andere Wasserorganismen ist in diesem Abschnitt der Enns unzureichend. Nur das Wehr Gstatterboden ist mit einer funktionierenden Fischaufstiegshilfe ausgestattet. An den anderen Wehranlagen sind die Höhen- und Platzverhältnisse sehr ungünstig (siehe Foto vom Kraftwerk Landl), sodass nur komplexe technische Lösungen zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit in Frage kommen. Diese Maßnahmen wurden jedoch bisher nicht umgesetzt.

Kraftwerk an der Enns in Österreich.

Hochwasserrisiko

Die aktuelle Abflussuntersuchung zeigt, dass in Hieflau und Altenmarkt bei einem 100-jährlichen Hochwasser-Ereignis mehrere Objekte betroffen wären. Maßnahmen zur Reduktion des Hochwasserrisikos sollen hier eine Verbesserung herbeiführen. Doch auch nach Umsetzung der Maßnahmen bleibt ein Restrisiko bestehen. Um auf den Ernstfall  vorbereitet zu sein, sind zusätzliche Maßnahmen der Bewusstseinsbildung und des Katastrophenschutzes nötig.

Maß­nahmen

Das Maßnahmenkonzept für die steirische Enns baut auf den beschriebenen Defiziten und Chancen auf und wurde vom gesamten Bearbeitungsteam interdisziplinär erarbeitet. Dabei wurden aus einer bundesweit einheitlichen Maßnahmenliste entsprechende Maßnahmentypen ausgewählt und verortet. Die einzelnen Maßnahmen bzw. Maßnahmenbündel sind in einem eigenständigen Bericht in Form von Steckbriefen beschrieben und in Maßnahmenkarten verortet. Jede Maßnahme bzw. jedes Maßnahmenbündel wurde aus fachlicher Sicht hinsichtlich der Relevanz für die Zielerreichung beurteilt und mit einer entsprechenden Priorität versehen. Abschluss des Erstellungsprozesses stellte eine Veranstaltung zur Beteiligung der Öffentlichkeit dar, bei der Rückmeldungen zum Maßnahmenkonzept gesammelt und berücksichtigt wurden.

Überblick Maßnahmen steirische Enns

Hochwasserschutz Isel Drau

Maßnahmen zur Reduktion des Hochwasserrisikos

Maßnahmen zur Vermeidung von Hochwasserrisiken können sehr unterschiedlich sein. Am effektivsten sind Maßnahmenkombinationen aus baulichen und nicht-baulichen Maßnahmen. Im GE-RM für die steirische Enns wurden 37 Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor Hochwasser definiert. Diese reichen von der Erhaltung bestehender Retentionsräume über die Sanierung bestehender Anlagen bis hin zum Objektschutz. Im Planungsprozess wurden diese Maßnahmen mit gewässerökologischen Zielsetzungen abgestimmt, um Synergien zu nutzen.

Durchgängigkeit

Maßnahmen zur Verbesserung der Durchgängigkeit

Fische wandern von Natur aus.  Das ermöglicht es ihnen, verschiedene Lebensräume zu nutzen. Für die Fortpflanzung sind beispielsweise andere Orte von Bedeutung als für Aufwuchs oder Ernährung. Deswegen wandern Fische innerhalb der Flusssysteme, um die optimalen Bedingungen für die jeweiligen Bedürfnisse zu finden. Heute beeinträchtigen zahlreiche künstliche Hindernisse dies. Um Fischen und anderen Wasserorganismen wieder eine möglichst ungehinderte Wanderung zu ermöglichen, wurden an der steirischen Enns 8 Maßnahmen definiert, die sich vor allem auf die Wiederanbindung von Zubringer-Mündungen fokussieren.

Maßnahmen zur Reduktion der Auswirkungen des Kraftwerksbetriebs

Die Wasserkraft stellt eine der entscheidenden Säulen der österreichischen Energiegewinnung dar. Doch  Wasserkraftwerke können gravierende Umweltauswirkungen haben. Daher ist bei der Planung, beim Betrieb und bei der Modernisierung von Kraftwerken die Bewertung der ökologischen Dimension unabdingbar. Im GE-RM für die steirische Enns wurden 7 Maßnahmen definiert, um negative Umweltauswirkungen zu reduzieren. Im Fokus stehen dabei Maßnahmen, welche die Auswirkungen des Kraftwerksbetriebs  reduzieren und die Restwasserabgabe erhöhen.

Geschiebehaushalt

Maßnahmen zur Verbesserung des Feststoffhaushaltes

Ein funktionierender Feststoffhaushalt ist sowohl aus Sicht des Hochwasserrisikomanagements als auch aus Sicht der Gewässerökologie entscheidend. Entstehen beispielsweise an Engstellen in Siedlungsräumen Ansammlungen von Geschiebe, kann es dort schneller zu Überschwemmungen kommen. Mit Baggerungen ließe sich dieses Problem zwar beheben, doch ein solcher Eingriff   stört das sensible Ökosystem und die Wasserlebewesen massiv . Um dies zu verhindern  wurden im GE-RM Enns 4 Maßnahmen zur Herstellung eines ausgeglichenen Geschiebehaushalts definiert.

Beispiel Maßnahmen­konzept

Das Maßnahmenkonzept des GE-RMs deckt die gesamte steirische Enns ab. Die abgebildete Karte gibt einen Einblick in das Maßnahmenkonzept für den Bereich Liezen Ost, bei dem eine Kombination aus Maßnahmen zum Hochwasserschutz und zur Gewässerentwicklung geplant wurde. Um den Hochwasserschutz für die gefährdeten Objekte zu verbessern, sind vom Fluss abgerückte Mauern und Dämme geplant, welche die Enns nicht negativ beeinflussen. Für die Gewässerentwicklung sieht das Konzept unterschiedliche Varianten vor, die je nach Grundverfügbarkeit umgesetzt werden können.

Die Variante mit dem größeren ökologischen Effekt sieht die Schaffung eines neuen Flussbogens und damit eine Laufverlängerung vor. Die Alternative dazu ist eine platzsparendere  Aufweitung der Enns. Durch die Renaturierung des Mündungsbereiches des Pyhrnbaches soll die Verbindung zur Enns wiederhergestellt werden. Die  Aufweitung der Enns und die Optimierung des Retentionsraumes – der Fläche, die bei Hochwasser überschwemmt werden kann –  östlich der Pyhrnbachmündung runden das Konzept in diesem Bereich ab und wirken sich positiv auf Hochwasserschutz und Gewässerökologie aus.

Karten und Berichte

Alle Maßnahmensteckbriefe und Karten zu den Maßnahmenschwerpunkten aus dem GE-RM Enns sind in umfassenden Dokumenten dargestellt.


Fotonachweise:

Kraftwerk Land: Verbund
Salzburger Siedlung: basemap.at