GE-RM Leitha

Die Leitha: Neue Perspektiven finden!

Die Leitha entsteht aus dem Zusammenfluss von Schwarza und Pitten in Niederösterreich, durchfließt das Wiener Becken und die pannonische Tiefebene und verlässt bei Nickelsdorf im Burgenland Österreich in Richtung Ungarn.

Der GE-RM Leitha betrachtet das gesamte Projektgebiet über eine Länge von rund 102 km. Früher bildete die Leitha in vielen Bereichen Mäander aus, die aber durch Regulierungen und Begradigungen fast zu Gänze verschwunden sind. Zudem ist der Anteil an Restwasserstrecken mit fast 50% der Gesamtlänge sehr hoch.

Durch Ausleitungen, geringe Restwassermengen, aber auch durch die natürliche Versickerung in das Grundwasser fällt die Leitha zeitweise in bestimmten Abschnitten trocken, was gewässerökologische Probleme mit sich bringt. Gleichzeitig sind die überfluteten Flächen im Falle eines Hochwasserereignisses aufgrund der flachen Landschaft groß.

Überblick Hochwasserrisiko und gewässerökologischer Zustand

Im Anschluss an die Vorstudie werden die Bestandsaufnahmen dazu genutzt, Wissenslücken, die bezüglich Hochwasserrisiko und Gewässerökologie bestehen, zu schließen. Das Ziel ist es, sektorale Defizite zu identifizieren, um darauf aufbauend – nach einem Abgleich mit den bestehenden Zielsetzungen – ein Maßnahmenkonzept zu erstellen. Die Grafik liefert eine Zusammenfassung der Defizite an der Leitha:

Defizite Leitha

Kurzbericht GE-RM Leitha

Alle Details zu den Bestandsaufnahmen, den bestehenden Defiziten sowie die Ergebnisse der Zieldefinitionen und die Definition des Handlungsbedarfs können in den detaillierten Berichten nachgelesen werden:

Defizite und Chancen

Defizite Leitha

Hochwasserrisiken

Die Überflutungsflächen der Leitha sind aufgrund des flachen und teilweise weitläufigen Vorlands sehr großflächig. Obwohl für eine Vielzahl der Orts‐ und Stadtgebiete an der Leitha bereits ausreichend dimensionierte Hochwasserschutzmaßnahmen realisiert wurden und diese in der Regel Schutz vor Hochwasserereignissen bis zum sogenannten 100-jährlichen Ereignis bieten, sind dennoch einige Siedlungsgebiete stark betroffen. Diese finden sich insbesondere in den Gemeinden Ebenfurth, Eggendorf, Katzelsdorf und Lichtenwörth.

Es ist auch festzuhalten, dass einige der Hochwasserschutzanlagen entlang der Leitha bereits älteren Datums sind. Das führt zu einem erhöhten Risiko in einem Überlastfall und großen Restrisikobereichen. Die Anzahl der potenziell betroffenen Personen bei einem 100-jährlichen Hochwasserereignis beträgt rund 4500 im untersuchten Gebiet.

Hochwasser Leitha
Hochwasser-Ereignisse der Leitha beschäftigen die Bevölkerung schon lange Zeit. Das Foto zeigt die Überschwemmungen in Leithaprodersdorf im Jahr 1965, die zu Überflutungen in großen Teilen der Gemeinde geführt haben. Auch wenn in Leithaprodersdorf mittlerweile ein Hochwasserschutz umgesetzt wurde, gilt dies nicht für alle Gemeinden an der Leitha.
Leitha reguliert
Das Bild zeigt einen begradigten Bereich der Leitha, der dadurch gekennzeichnet ist, dass wichtige Lebensräume fehlen.

Fischlebensräume

Aus fischökologischer Sicht sind als Defizite die fehlenden Leitfischarten und Begleitarten sowie ein gestörter Populationsaufbau bei den nachgewiesenen Arten zu nennen. Diese Defizite zeigen, dass die Leitha über weite Strecken ihre Funktion als Reproduktionsgewässer und „Kinderstube“ für viele Fischarten nicht erfüllen kann. Insbesondere durch die Begradigung und die Begleiterscheinungen der Regulierung, die hohe und einheitliche Strömungsgeschwindigkeiten und Wassertiefen zur Folge haben, ergeben sich Probleme aus ökologischer Sicht.

Es fehlen wichtige Lebensräume (strömungsberuhigte Bereiche für Jungfische, Schotterbänke als Laichplätze, etc.) für verschiedene Fischarten der unterschiedlichen Altersstadien. Um den fischökologischen Zustand an der Leitha zu verbessern, sind in erster Linie morphologische Aufwertungen von Gewässerstrecken notwendig. Durch die Anlage einer pendelnden Linienführung und Aufweitungen kann die Seitenerosion gefördert und insgesamt die Flussdynamik erhöht werden.

In Gewässerabschnitten, in denen keine Änderungen der Linienführung umsetzbar sind, können durch sogenannte Instream-Maßnahmen (Anlage von Buhnen und Kolken, Unterständen) Fischlebensräume geschaffen werden.

Administrativ-Karte Leitha
Die Administrativkarte, die 1867 bis 1882 für Niederösterreich erstellt wurde, zeigt die Leitha in vielen Bereichen noch in einem naturnäheren Verlauf mit vielen Mäander-Bögen. Gleichzeitig beinhaltet die Karte schon den geplanten Verlauf, der im Rahmen der Regulierungen umgesetzt wurde.
Strukturverbesserungen Leitha

Wanderhindernisse

Des Weiteren schränken Unterbrechungen des Kontinuums (Wehranlagen, nicht fischpassierbare Querbauwerke, trockenfallende Restwasserstrecken) die Migration von Fischen ein. In vielen Teilbereichen wird diese sogar gänzlich verhindert. Dieses Defizit stellt einen weiteren wesentlichen Punkt dar. Somit ist die Beseitigung von nicht fischpassierbaren Migrationshindernissen, wie z.B. der Sohlschwelle flussab von Gattendorf, ein Fokus im Maßnahmenkonzeptes des GE-RM Leitha. Die Wiederherstellung der Durchgängigkeit ist eine Voraussetzung dafür, dass morphologische Verbesserungen von Lebensräumen ihre Wirksamkeit entfalten können. Neben einer Erhöhung des Restwassers können in den Restwasserstrecken der Leitha lokale Maßnahmen zur Reduktion der Versickerung durch die Anlage von Fischrettungspools umgesetzt werden. Diese Rettungspools sind natürlichen Tiefstellen (sogenannten Kolken, siehe Abbildung) nachempfunden.

Chancen

Auwälder der Leitha

Trotz der starken Veränderungen der Flusslandschaft der Leitha gehören deren Auwälder – die auch eines der wichtigsten Schutzgüter im Schutzgebiet Leithaauen darstellen – zu den wichtigsten Au-Landschaften Ostösterreichs. Vor allem im Unterlauf der Leitha sind die umliegenden Böden stark vom hoch anstehenden Grundwasser beeinflusst. So bildet die Schwarzerle, die gut mit Staunässe zurechtkommt, entlang der Leitha einen flächigen Auwald (Grundwasserauwald) aus. An der Leitha gelten Schwarzerlen‐Auwälder demnach als Leitgesellschaft in hervorragender Repräsentativität und Ausprägung.

Leitha Auwald

Fast Einzigartig

Moor-Wiesenvögelchen

Nicht nur direkt an der Leitha, sondern auch in deren Einzugsgebiet finden sich sehr seltene Arten. Ein Beispiel dafür ist ein Schmetterling mit dem schönen Namen Moor-Wiesenvögelchen. Die Art zählt zu den am stärksten gefährdeten Tagschmetterlingen Europas. In Niederösterreich kommt der Falter nur in einer einzigen Population auf einer feuchten Wiesenfläche vor – nicht weit entfernt von der Leitha. Durch ein zielgerichtetes Management auf Ebene des Einzugsgebietes können beispielsweise auch die Standortanforderungen solcher Arten unterstützt werden.

Eine weitere Besonderheit stellt die Vielfalt von unterschiedlichen Liebellen-Arten dar, die an der Leitha und den daran angrenzenden, wasserbeeinflussten Flächen optimale Lebensraumbedingungen vorfinden. Ein Beispiel für eine besonders gefährdete Art ist die Grüne Flussjungfer, die ihren Lebensraum im Maßnahmenbereich einer der Leitha-Pilotmaßnahmen hat, was selbstverständlich in der Umsetzung der Maßnahme berücksichtigt wird.

Grüne Flussjungfer

Maßnahmenkonzept Leitha

Leitha flussauf von Katzelsdorf

Das Maßnahmenkonzept baut auf den beschriebenen Defiziten und Chancen auf und wurde vom gesamten Bearbeitungsteam interdisziplinär erarbeitet. Dabei wurden aus einer bundesweit einheitlichen Maßnahmenliste entsprechende Maßnahmentypen ausgewählt und verortet.

Die einzelnen Maßnahmen bzw. Maßnahmenbündel sind in einem eigenständigen Bericht in Form von Steckbriefen beschrieben und in Maßnahmenkarten verortet. Jede Maßnahme bzw. jedes Maßnahmenbündel wurde aus fachlicher Sicht hinsichtlich der Relevanz für die Zielerreichung beurteilt und mit einer entsprechenden Priorität versehen. Abschluss des Erstellungsprozesses stellte eine Veranstaltung zur Beteiligung der Öffentlichkeit dar, bei der Rückmeldungen zum Maßnahmenkonzept gesammelt und berücksichtigt wurden.

Überblick Maßnahmen Leitha

Hochwasserschutz Isel Drau

Maßnahmen zur Reduktion des Hochwasserrisikos

Maßnahmen zur Reduktion und zur Vermeidung von Hochwasserrisiken können sehr unterschiedlich sein. Am effektivsten sind Maßnahmenkombinationen aus baulichen und nicht-baulichen Maßnahmen. Im GE-RM Leitha wurden zahlreiche Maßnahmenvorschläge zum Schutz der Bevölkerung vor Hochwasser definiert. Diese reichen von der Erhaltung bestehender Retentionsräume über die Sanierung bestehender Anlagen bis hin zum Objektschutz. Im Planungsprozess wurden diese Maßnahmen mit gewässerökologischen Zielsetzungen abgestimmt, um Synergien zu nutzen.

Durchgängigkeit

Maßnahmen zur Verbesserung der Durchgängigkeit

Fische wandern von Natur aus.  Das ermöglicht es ihnen, verschiedene Lebensräume zu nutzen. Für die Fortpflanzung sind beispielsweise andere Faktoren von Bedeutung als für Aufwuchs oder Ernährung. Deswegen wandern Fische innerhalb der Flusssysteme, um die optimalen Bedingungen für die jeweiligen Bedürfnisse zu finden. Heute beeinträchtigen zahlreiche künstliche Hindernisse dies. Um den Fischen und Organismen wieder einen freien Weg flussaufwärts zu ermöglichen wurden an der Leitha Maßnahmenvorschläge definiert.

Gewässermorphologie

Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässermorphologie

Zur Gewinnung von Flächen, die für Siedlungen und Landwirtschaft genutzt werden können, wurden viele unserer Flüsse begradigt und reguliert. Dadurch ist die flusstypische Morphologie des Flusses eingeschränkt. In der Regel fehlen dadurch aber wichtige Lebensräume im Wasser und an Land. Beispielweise sind Schotterbänke und -inseln ganz entscheidend für sogenannte Kieslaicher (also Fische, die beim Laichen auf das Vorhandensein von Kies angewiesen sind) oder auch Vögel, die an diesen Orten brüten. Eine Vielzahl der definierten Maßnahmenvorschläge fokussieren auf die Verbesserung der Gewässermorphologie, wobei diese Maßnahmen auch teilweise die Ziele des Hochwasserrisikomanagements unterstützen.

Geschiebehaushalt

Maßnahmen zur Verbesserung des Feststoffhaushaltes

Ein funktionierender Feststoffhaushalt ist sowohl aus Sicht des Hochwasserrisikomanagements als auch aus Sicht der Gewässerökologie von entscheidender Bedeutung. Entstehen beispielsweise an Engstellen in Siedlungsräumen Ansammlungen von Geschiebe, kann es dort zum Wasseraustritt kommen. Wird jedoch durch Baggerungen in dieses System eingegriffen, wird das sensible Ökosystem und die Wasserlebewesen gestört. Aus diesem Grund wurden im GE-RM Leitha Maßnahmen zur Herstellung eines ausgeglichenen Geschiebehaushalts definiert.

Beispiel Maßnahmenkonzept: Lichtenwörth bis Ebenfurth

Die Abbildung gibt einen Einblick in das Maßnahmenkonzept der Leitha für den Bereich Lichtenwörth bis Ebenfurth.

In diesem Bereich besteht nach wie vor ein Hochwasserrisiko, wobei jene Bereiche hervorgehoben sind, die nicht ausreichend vor Hochwasser geschützt sind.

Jene Überflutungsflächen, die außerhalb der Siedlungsräume liegen, sind so gut wie möglich aufgrund ihrer Retentionswirkung zu erhalten.

Maßnahme Leitha

Aus Sicht der Gewässerentwicklung ist in diesem Bereich ein Maßnahmenbündel aus Strukturverbesserung, der Annäherung der Leitha an ihren ursprünglichen Flusstypus sowie die Anlage von den bereits beschriebenen Pools zur Fischrettung bei Trockenfallen der Leitha vorgesehen. Weiterer Fokus liegt darauf, der Leitha wieder mehr Raum zu geben. Dafür wurde, dort wo es die Rahmenbedingungen zulassen, ein Entwicklungskorridor ausgewiesen, der den Raumbedarf zur Wiederherstellung des ursprünglichen Flusstyps ausweist. Punktuelle Maßnahmen, wie der Um- oder Rückbau von Wanderhindernissen sowie die Erhöhung des Abflusses, machen das Maßnahmenbündel in diesem Bereich komplett.

Alle Maßnahmenvorschläge aus dem GE-RM Leitha sind anhand von Maßnahmenkarten, Steckbriefen sowie in einem umfassenden Bericht dargestellt:


Fotonachweise:
Hochwasser-Bild: Freiwillige Feuerwehr Leithaprodersdorf
Fischrettungs-Pool, Leitha bei Katzelsdorf: Land Niederösterreich