Mehr Raum für die Enns

In der Nähe von Stainach wird die Enns revitalisiert, damit sie wieder ein Stück lebendiger wird. Der stark regulierte Fluss wird im Bereich der Leistenbachmündung aufgeweitet, um ihm wieder mehr Raum für eine natürliche Entwicklung zu geben.
Im aufgeweiteten Flussbett entstehen drei sogenannte Initialgerinne – schmale, gezielt angelegte Wasserläufe, die die Strömung lenken und die Flussdynamik neu gestalten. Sie wirken als eine Art „Starthilfe“ für die natürliche Entwicklung und werden im Laufe der Zeit vom Fluss weitergeformt. In Kombination mit einer gezielten Lenkung der Strömung werden so natürliche Prozesse angestoßen und die Dynamik des Gewässers wiederhergestellt.
Auf diese Weise bilden sich unterschiedliche Tiefen- und Strömungsbereiche. Langfristig entwickelt sich daraus eine vielfältige Gewässerlandschaft mit einem Mosaik aus wertvollen Lebensräumen für Tiere und Pflanzen.
Die Revitalisierungsmaßnahmen basieren auf Leitbildern und Zielen für die Enns, die im Rahmen des Gewässerentwicklungs- und Risikomanagementkonzepts (GE-RM) gemeinsam mit einer Vielzahl von Stakeholdern abgestimmt wurden.
Ein ganz besonderes Naturschauspiel erwartet Besucherinnen und Besucher im Steirischen Ennstal Ende Mai: Wenn die Sibirische Schwertlilie (auch Iris genannt) aufblüht, verwandeln sich die Wiesen rund um Schloss Trautenfels in einen leuchtend violetten Blütenteppich. Die artenreichen Wiesen sind dabei nicht nur schön anzusehen: Sie bieten vielen seltenen Tierarten – wie etwa bodenbrütenden Wiesenvögeln – einen wertvollen Lebensraum.
Schloss Trautenfels liegt nur wenige Minuten von unserer Pilotmaßnahme entfernt und ist insbesondere zur Iris-Blüte ein lohnendes Ausflugsziel.
Maßnahmen Lageplan
Wieso wird die Enns bei Stainach revitalisiert?
Die Enns ist im Projektabschnitt stark reguliert: Im Rahmen der Ennsregulierung wurde der Fluss begradigt und eingeengt. Zusätzlich beeinflusst der Schwallbetrieb der Kraftwerke Sölk und Salza den Wasserstand erheblich. Durch die geplanten Maßnahmen soll die Enns langfristig wieder dynamischer werden – mit Strukturen, die sich weitgehend selbst erhalten, weiterentwickeln und nur minimale Eingriffe von außen erfordern.
Vor der Ennsregulierung hatte der Fluss einen ganz anderen Charakter: Historisch begann die Enns ungefähr im Raum des heutigen Stainach, von einem pendelnden in einen mäandrierenden Flusstyp überzugehen – ein Charakter, der durch die Regulierung weitgehend verloren gegangen ist. Das Projektgebiet liegt in einem geraden Gewässerabschnitt und weist gegenüber dem Oberlauf bereits ein deutlich reduziertes Gefälle auf. All diese Eigenschaften des Gebiets wurden bei der Maßnahmenplanung berücksichtigt, damit ein Stück ursprünglicher Flusscharakter in das Steirische Ennstal zurückkehren kann.

Photocredits: Bernhard Schubert, Land Steiermark – Abteilung 14
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